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Daniel Küblböck
(18) und sein Enthüllungsbuch. Der schräge Superstar kennt keine
Tabus. Er schreibt über seine wilde Mutter, über die erste Liebesenttäuschung.
Lesen Sie heute: Wie Daniel mit vierzehn den Sex entdeckt. Gleich zweimal
verliert er seine Unschuld. Er schläft erst mit Sascha, dann mit Julia.
Ich lege mich zu ihm. Einfach so. Er ist kein enger
Freund – nur einer, mit dem ich ab und zu mal was unternehme. Ich habeihn
im Unterricht angeschaut – von der Seite – und mir vorgestellt, wie es wäre,
ihn anzufassen. Mich von ihm anfassen zu lassen.
Ich habe ihm das nie gesagt. Jetzt ist die Stimmung so. Wir
sind in seinem Zimmer, hören Bryan Adams und sind müde vom Quatschen.
Draußen regnet es. Es ist dunkler als sonst am frühen Abend. Ich
finde es schön, ganz nah bei Sascha zu liegen. Ich fühle mich geborgen.
Schon als kleiner Junge haben mich die großen Jungs vor dem Rest der
Welt beschützt. Weil ich so lieb aussah und Fliegen aus der Limo fischte,
bevor sie ertranken. Jetzt merke ich, dass Sascha mich an sich ranzieht.
Sieht er in mir ein Mädchen? Oder einen Mann?
Ich wundere mich, dass er nicht wegrückt. Seine Eltern sind nicht da.
Seine Haut riecht anders als meine. „Summer of ‘69“. Die Bässe gehen
in den Bauch. Es kribbelt bei jedem Schlag. Die Stimme von Adams macht mich
an. Oder ist es Sascha, der meinen Bauch so verrückt macht? Es ist sein
Körper. Ich könnte nicht zufriedener sein.
Ist es okay, so dicht neben einem Jungen zu liegen? Müssen Jungen nicht
mit Mädchen knutschen? Und nur mit ihnen? Es ist anders als neben einem
Mädchen. Ich bin gern mit Mädchen zusammen, könnte stundenlang
mit ihnen quatschen. Über Mode und Haare und Musik. Neben Sascha könnte
ich stundenlang liegen. Draußen ist es schon dunkel. Ich ziehe mein
T-Shirt aus, will ihn ganz nah an meiner Haut haben. Ich will, dass er mich
anfasst. Überall. Ich mache das einfach. Sascha kapiert, was ich will.
Er fängt an, mich
zu streicheln. Wir liegen da. Alles ist ganz entspannt. Sascha genießt
es. Ich genieße es. Wir sind uns einig. Wir wollen das jetzt so. Seine
Finger wandern über meinen Körper. Überallhin. Ich entdecke
jeden Zentimeter von ihm und finde das alles so aufregend, dass ich es kaum
aushalten kann. Keiner sagt: stopp! Bis hierher und nicht weiter.
Ich sehe Sternchen und will das Gefühl für immer festhalten. Ich
habe Sex mit einem Jungen gehabt. Es war schön.
Am nächsten Morgen laufen wir uns über den Weg. Er guckt an mir
vorbei, dann wieder kurz hin. Er weiß nicht, was er sagen soll. Ich
weiß auch nicht, was ich sagen soll. Irgendwie ist uns die Sache peinlich.
Also reden wir nicht darüber. Nie wieder.
Wir ziehen die gelben Gardinen zu, lassen die Rollos runter. Meine Freunde
und ich. Susi und Anja schleppen Tüten vom Aldi rein. Sie kichern, drei
Jungs haben sich drinnen Bier aufgemacht. Big Brother in Straßkirchen.
Ich habe sie alle zu mir eingeladen. Julia und ich wollen bis Freitag aushalten.
Wir quatschen, spielen, sehen fern.
Bis die Nacht anbricht, legen wir uns zusammen ins Bett meiner Eltern. Jetzt
soll es so sein wie im Film. Ich habe Lust, ein Mann zu sein, den sich die
Frauen wünschen. Sie zieht das T-Shirt aus. Ich fasse in ihre Hose,
ziehe sie runter. Ich küsse ihre Brüste. Sie zieht mich auf sich.
Wir schlafen miteinander.
Sie findet es okay. Vielleicht, weil alles so ist, wie es immer in den Filmen
aussieht. Wie finde ich es? Ich liege noch lange wach, als sie sich schon
neben mir zusammengerollt hat. Es ist spannend. Aber ist es das, was ich
mir vorgestellt habe? Ist es das, was ich mir wünsche? Ich hake es ab.
Eine Erfahrung mehr. Eine aufregende Erfahrung. Vielleicht wird Sex nie so
sein, wie er sich in meiner Phantasie abspielt.
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