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ALLES ÜBER
VITAMINE
Wundermittel Vitaminpille?
Die Verlockung ist groß. Man wirft jeden Morgen eine Pille ein, und
schon ist man optimal mit Vitaminen versorgt. Den Tag über kann man essen,
worauf man Lust hat. Multivitaminpräparate sind den Deutschen schon
über eine Milliarde Euro wert. Rund hundert Millionen Packungen mit
Vitaminzusätzen gingen im vergangenen Jahr in Deutschland über den
Ladentisch. Vor allem in den Wintermonaten sind Vitaminpillen ein absoluter
Verkaufsschlager.
Doch Vitaminpräparate als Ersatz für eine gesunde Ernährung
sind in den Augen vieler Wissenschaftler höchstens die zweitbeste Lösung.
Nicht alle sind gleich gut, aber die Vitamin-Manie ist ungebrochen. Vernunft
hin, Realität her: Die Zeitschrift Ökotest hat die wichtigsten Multivitaminpräparate
von Labors und Professor Gerd Glaeske, Arzneimittelexperte an der Universität
Bremen, unter die Lupe nehmen lassen. Das sind die Ergebnisse:
· Von 18 untersuchten Präparaten bekommen nur vier die
Note "gut".
· In acht Mitteln sind einzelne oder mehrere Komponenten teilweise
deutlich überdosiert. Das ist besonders bei den fettlöslichen Vitaminen
A und D problematisch, da der Körper sie nicht über den Urin ausscheidet.
· Acht Präparate enthalten als Vitaminzusatz oder als
Farbstoff Betakarotin, das vor allem Rauchern in hohen Dosen gefährlich
werden kann (siehe Vitaminlexikon).
· In sieben Mitteln steckt Selen. Das Spurenelement ist als
Bestandteil verschiedener Enzymsysteme zwar lebensnotwendig, aber erstens
ist Deutschland kein Selenmangel-Land, und zweitens wirkt Selen in höheren
Dosen giftig. Einen nachweisbaren Selenmangel scheint man bisher nur mit den
Salzen Natriumselenit, -hydrogenselenit und -selenat beheben zu können.
Eine genauere Deklaration als "Selen in Mikrogramm pro Kapsel" wäre also
sinnvoll.
· Sechs Mittel enthalten künstliche Süßstoffe,
die den Appetit anregen.
· In zwei Präparaten stecken Konservierungsstoffe.
· Die Multivitol-Filmtabletten enthalten Paraf½ne und
Natriumdodecylsulfat als Emulgator. Paraf½ne reichern sich im Körper
an, Natriumdodecylsulfat kann die Schleimhäute reizen.
· Das Internetprodukt Vitacor plus soll laut Hersteller Herz-Kreislauf-Erkrankungen
verhindern können. In Deutschland hat es aber keine Zulassung als Arzneimittel.
Welche Schlüsse kann man
daraus ziehen?
· Fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag sind besser
als jede Pille.
· Wer sich einigermaßen vernünftig ernährt
und trotzdem Vitaminpillen schlucken will, sollte sich für ein niedrig
dosiertes Präparat entscheiden.
· Nur bei einer Diät oder wenn die Nährstoffaufnahme
aufgrund einer Krankheit gestört ist, kann es sinnvoll sein, seine Vitaminbilanz
durch Multivitaminpräparate aufzupeppen.
· Mangelerscheinungen erfordern die Diagnose eines Arztes.
Er wird dann in der Regel gezielt ein Monopräparat verschreiben.
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